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Bilanz

13. September 2026

Das Wichtigste in Kürze

Die Bilanz stellt Vermögen und Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag gegenüber.

Auf der Aktivseite wird insbesondere die Verwendung des Kapitals dargestellt.

Die Passivseite zeigt Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten und damit wesentliche Finanzierungsquellen.

Aktiva und Passiva müssen stets dieselbe Summe ergeben.

Zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung bildet die Bilanz den handelsrechtlichen Jahresabschluss.

Handelsbilanz und Steuerbilanz können aufgrund unterschiedlicher Ansatz- und Bewertungsvorschriften voneinander abweichen.


Was ist eine Bilanz?

Eine Bilanz ist die stichtagsbezogene Gegenüberstellung des Vermögens und der Schulden eines Unternehmens. Sie zeigt, welche wirtschaftlichen Mittel vorhanden sind und wie diese finanziert wurden.

Nach § 242 HGB müssen Kaufleute grundsätzlich zu Beginn ihres Handelsgewerbes eine Eröffnungsbilanz und zum Ende jedes Geschäftsjahres eine Schlussbilanz aufstellen. Für bestimmte Einzelkaufleute bestehen gesetzliche Befreiungen.

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bilden gemeinsam den Jahresabschluss. Während die Bilanz auf einen bestimmten Zeitpunkt abstellt, erfasst die Gewinn- und Verlustrechnung Aufwendungen und Erträge innerhalb eines Zeitraums.

Wie ist eine Bilanz aufgebaut?

Die Bilanz besteht aus zwei Seiten:

AktivseitePassivseite
Zeigt insbesondere die MittelverwendungZeigt insbesondere die Mittelherkunft
Enthält VermögensgegenständeEnthält Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten
Gliedert sich vor allem in Anlage- und UmlaufvermögenGliedert sich vor allem nach den Finanzierungsquellen

Für Kapitalgesellschaften enthält § 266 HGB ein gesetzliches Gliederungsschema. Abhängig von der Unternehmensgröße sind Erleichterungen bei der Darstellung möglich.

Was steht auf der Aktivseite?

Die Aktivseite zeigt die Vermögensgegenstände und bestimmte weitere Bilanzposten des Unternehmens. Zu den wichtigsten Positionen gehören:

Anlagevermögen

Zum Anlagevermögen gehören Vermögensgegenstände, die dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb dauerhaft zu dienen. Dazu zählen insbesondere:

  • immaterielle Vermögensgegenstände,
  • Grundstücke und Gebäude,
  • Maschinen und technische Anlagen,
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie
  • Beteiligungen und andere Finanzanlagen.

Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen umfasst Vermögensgegenstände, die nicht dauerhaft dem Geschäftsbetrieb dienen. Dazu gehören insbesondere:

  • Rohstoffe, Waren und Erzeugnisse,
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen,
  • kurzfristig gehaltene Wertpapiere,
  • Bankguthaben und
  • Kassenbestände.

Daneben können auf der Aktivseite beispielsweise Rechnungsabgrenzungsposten, aktive latente Steuern und ein entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert ausgewiesen werden.

Was steht auf der Passivseite?

Die Passivseite zeigt, aus welchen Quellen das in den Vermögensgegenständen gebundene Kapital stammt.

Eigenkapital

Das Eigenkapital ist rechnerisch der Betrag, der nach Abzug der Schulden vom Vermögen verbleibt. Bei Kapitalgesellschaften kann es insbesondere umfassen:

  • gezeichnetes Kapital,
  • Kapitalrücklage,
  • Gewinnrücklagen,
  • Gewinn- oder Verlustvortrag sowie
  • Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag.

Das Eigenkapital besteht daher nicht nur aus den Einlagen der Gesellschafter, sondern wird auch durch erwirtschaftete Gewinne und entstandene Verluste verändert.

Rückstellungen

Rückstellungen werden für Verpflichtungen gebildet, deren Bestehen oder Höhe noch nicht sicher feststeht. Dazu gehören beispielsweise Pensions-, Steuer- und sonstige Rückstellungen.

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten sind rechtlich oder wirtschaftlich bestehende Verpflichtungen gegenüber Dritten. Typische Beispiele sind:

  • Bankdarlehen,
  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen,
  • erhaltene Anzahlungen und
  • Steuerverbindlichkeiten.

Daneben können insbesondere passive Rechnungsabgrenzungsposten und passive latente Steuern ausgewiesen werden.

Warum sind Aktiva und Passiva gleich hoch?

Jeder Vermögenswert muss durch Eigen- oder Fremdmittel finanziert sein. Daher gilt die Bilanzgleichung:

Aktiva = Passiva

Die Summe beider Seiten wird als Bilanzsumme bezeichnet. Sie zeigt die Höhe des bilanziell ausgewiesenen Vermögens beziehungsweise Kapitals, sagt allein aber wenig über Erfolg, Liquidität oder Unternehmenswert aus.

Welche Funktionen hat die Bilanz?

Die Bilanz erfüllt insbesondere folgende Funktionen:

  • Dokumentation: Sie hält Vermögen und Schulden zum Abschlussstichtag fest.
  • Information: Sie vermittelt Eigentümern, Gläubigern und anderen Adressaten Informationen über die Vermögens- und Finanzlage.
  • Rechenschaft: Die Unternehmensleitung legt über den Umgang mit dem anvertrauten Kapital Rechenschaft ab.
  • Gewinnermittlung: Die Veränderung des Eigenkapitals bildet eine Grundlage des Betriebsvermögensvergleichs.
  • Ausschüttungsbemessung: Der handelsrechtliche Jahresabschluss beeinflusst den ausschüttungsfähigen Gewinn.
  • Besteuerung: Die Bilanz ist bei bilanzierenden Unternehmen Ausgangspunkt der steuerlichen Gewinnermittlung.

Wie werden Bilanzposten bewertet?

Die Bilanz enthält grundsätzlich keine bloße Aufstellung aktueller Marktwerte. Ansatz und Bewertung richten sich nach gesetzlichen Vorschriften.

Zu den allgemeinen Bewertungsgrundsätzen des § 252 HGB gehören insbesondere:

  • Unternehmensfortführung,
  • Einzelbewertung,
  • Vorsichtsprinzip,
  • Realisationsprinzip,
  • periodengerechte Abgrenzung und
  • Bewertungsstetigkeit.

Abnutzbare Vermögensgegenstände werden regelmäßig mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich Abschreibungen bewertet. Für Vorräte, Forderungen, Rückstellungen und Verbindlichkeiten gelten weitere besondere Vorschriften.

Was ist der Unterschied zwischen Handels- und Steuerbilanz?

Die Handelsbilanz wird nach den Vorschriften des HGB erstellt. Sie dient insbesondere der Information, dem Gläubigerschutz und der Bemessung möglicher Ausschüttungen.

Die Steuerbilanz dient der Ermittlung des steuerlichen Gewinns. Sie knüpft grundsätzlich an die Handelsbilanz an, kann aber aufgrund steuerlicher Ansatz- und Bewertungsvorschriften davon abweichen.

HandelsbilanzSteuerbilanz
Grundlage ist das HGBGrundlage sind insbesondere EStG und HGB
Dient unter anderem Information und GläubigerschutzDient der steuerlichen Gewinnermittlung
Handelsrechtliche Wahlrechte und VerboteAbweichende steuerliche Vorgaben möglich

Internationale Rechnungslegungsstandards wie die IFRS sind insbesondere für bestimmte kapitalmarktorientierte Konzernabschlüsse relevant. Sie ersetzen jedoch nicht ohne Weiteres den handelsrechtlichen Einzelabschluss.

Welche Aussagegrenzen hat eine Bilanz?

Die Bilanz bildet nur die Verhältnisse am Abschlussstichtag ab. Ihre Aussagekraft wird zudem durch gesetzliche Ansatz- und Bewertungsvorschriften begrenzt.

Nicht oder nur eingeschränkt erkennbar sind beispielsweise:

  • der aktuelle Marktwert des Unternehmens,
  • die künftige Ertragskraft,
  • die genaue Liquiditätsentwicklung,
  • selbst geschaffene immaterielle Werte oder
  • Ereignisse nach dem Bilanzstichtag.

Für eine aussagekräftige Unternehmensanalyse müssen deshalb regelmäßig auch Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang, Lagebericht und Kapitalflussrechnung berücksichtigt werden.

Häufig gestellte Fragen zur Bilanz

Was ist der Unterschied zwischen Bilanz und Jahresabschluss?

Die Bilanz ist ein Bestandteil des Jahresabschlusses. Der handelsrechtliche Jahresabschluss besteht mindestens aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Abhängig von der Rechtsform können weitere Bestandteile hinzukommen.

Was bedeutet Bilanzsumme?

Die Bilanzsumme ist die identische Gesamtsumme der Aktiv- und Passivseite. Sie ist unter anderem für Größenklassen relevant, entspricht aber nicht dem Unternehmenswert.

Ist ein hoher Eigenkapitalanteil immer positiv?

Ein hoher Eigenkapitalanteil kann die finanzielle Stabilität erhöhen. Seine Bewertung hängt jedoch vom Geschäftsmodell, der Rentabilität und der Finanzierungsstruktur ab.

Zeigt die Bilanz den tatsächlichen Unternehmenswert?

Nein. Buchwerte und wirtschaftliche Marktwerte können deutlich voneinander abweichen. Auch nicht bilanzierte Werte und zukünftige Ertragserwartungen beeinflussen den Unternehmenswert.

Rechtsgrundlagen

Wichtige Vorschriften zur Bilanz sind insbesondere:

Fazit

Die Bilanz stellt Vermögen und Schulden eines Unternehmens zu einem festen Stichtag gegenüber. Die Aktivseite zeigt die Vermögensstruktur, während die Passivseite Eigenkapital, Rückstellungen und Verbindlichkeiten ausweist.

Sie ist ein wesentliches Informations- und Rechenschaftsinstrument, zeigt aber weder den tatsächlichen Unternehmenswert noch die Liquiditäts- und Ertragslage vollständig. Dafür müssen weitere Bestandteile des Jahresabschlusses einbezogen werden.